Ute Lemper

Die Dreigroschenoper: Ballade Von Der Sexuellen Hörigkeit

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Da ist nun einer schon der Satan selber
Der Metzger: er! und alle andern: Kälber!
Der frechste Hund! Der schlimmste Hurentreiber!
Wer kocht ihn ab, der alle abkocht? Weiber!
Das fragt nicht, ob er will — er ist bereit.
Das ist die sexuelle Hörigkeit.
Der glaubt nicht an die Bibel, nicht ans BGB.
Er meint, er ist der größte Egoist.
Weiß, daß wer’n Weib sieht, schon verschoben ist.
Und läßt kein Weib in seine Näh:
Er soll den Tag nicht vor dem Abend loben
Denn bevor es Nacht wird, liegt er wieder droben.

So mancher Mann sah manchen Mann verrecken
Ein großer Geist blieb in ‘ner Hure stecken!
Und die’s mit ansahn, was sie sich auch schwuren —
Als sie verreckten, wer brgrub sie? Huren!
Das fragt nicht, ob er will — er ist bereit.
Das ist die sexuelle Hörigkeit.
Der hält sich an die Bibel! Der ans BGB!
Er ist ein Christ und der ein Anarchist!
Am Mittag zwingt man sich, daß man nicht Sellerie frißt.
Nachmittags weiht man sich noch ‘ner Idee.
Am Abend sagt man: Mit mir geht’s nach oben.
Doch bevor es Nacht wird, liegt man wieder droben.

Da steht nun einer fast schon unterm Galgen
Der Kalk ist schon gekauft, ihn einzukalken.
Sein Leben hängt an einem brüch’gen Fädchen.
Und was hat er im Kopf, der Bursche? Mädchen!
Schon unterm Galgen, ist er noch bereit.
Das ist die sexuelle Hörigkeit.
Er ist schon sowieso verkauft mit Haut und Haar.
Bei ihr hat er den Judaslohn gesehn.
Und er beginnt nun zu verstehn
Daß ihm das Weibes Loch das Grabloch war.
Und er mag wüten gegen sich und toben —
Doch bevor es Nacht wird, liegt er wieder droben.

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